KASEM HOXHA: EX- Schüler von Torsten Stoll

October 18, 2015

 

ASCHAFFENBURG. Kasem Hoxha ist Schauspieler, war vergangenen Sonntag im Tatort mit Til Schweiger zu sehen und wirkte auch schon in diversen Kinofilmen mit. Sein Weg in die Schauspielerei ist selbst ein kinotaugliches Drama mit einer langen Spielzeit in Aschaffenburg. PrimaSonntag sprach mit dem 44-Jährigen über die Kindheit in Tirana, seine Flucht in die deutsche Botschaft und den harten Weg vom Flüchtling zum Schauspieler.

 

 

In Aschaffenburg ging es dann auch mit der Schauspielerei los. War das schon immer Ihr Traum und wo haben Sie genau Unterricht genommen?


Irgendwann kam es doch wieder das Gefühl, Schauspieler werden zu wollen. Schon als Kind wollte ich Schauspieler werden, das war ein Wunsch aus der Tiefe. Und so kam ich zufällig in Aschaffenburg an der Schauspielschule Actors Company vorbei, ich war schon über 30 und damit fast zu alt. Torsten Stoll, der Schulleiter und später mein Lehrer, lud ein an einem Schauspielerseminar teil zu nehmen, um zu sehen ob ich tatsächlich geeignet dafür wäre und ob es das ist was ich tatsächlich wollte.

 

Der Schauspielerjob ist nicht unbedingt so rosig, wie sich das oft anhört. Es ist eine Herausforderung, denn man muss bereit sein seelisch und körperlich einen gewissen Inhalt von sich Preis zu geben. Will man dieses Handwerk richtig erlernen, erfordert das Disziplin, Mut, Durchhaltevermögen, Charakter, Nerven und eine große Portion an Flexibilität und Lebensfreude. Nach diesem Seminar begann ich dort meine Schauspielausbildung.

 

Sie wurden in der albanischen Hauptstadt Tirana geboren – keine einfache Zeit, oder?


Ja genau, ich wurde am 12. August 1968 in Tirana, der Hauptstadt von Albanien,  in ganz armen Verhältnissen geboren und bin dort auch unter diesen Bedingungen aufgewachsen. Dies betraf fast alle meiner Generation aus Albanien. Das albanische Volk litt zu dieser Zeit unter der kommunistisch geprägten Herrschaft des tyrannischen und stalinistisch gepolten Diktators Enver Hoxha, der das Land von der Außenwelt abschirmte und in den wirtschaftlichen Bankrott führte. Seine grausamen Regierungsmethoden, wie der willkürliche Einsatz der Todesstrafe, Folter und Gefängnis versetzten die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Unter dieser Herrschaft wuchs ich als eines von fünf Kindern auf.

 

Die schlechten Zeiten in meiner Kindheit und Jugendzeit überwogen leider bei weitem die guten.

Wie sehr hat der Dienst beim Militär sie geprägt?


Der Militärdienst war einer von mehreren extremen Grenzerfahrungen in meinem Leben und dauerte zwei Jahren. Im Jahr 1988 trat ich diesen im nördlichsten Teil Albaniens, inmitten der Berge an. Hier entschied der Überlebenswille eines jeden Soldaten, ob er diese Zeit überstehen konnte. Der harte Drill bei gleichzeitig mangelhafter Verpflegung und katastrophaler medizinischer Versorgung, die unangemessene Kleidung bei Kälte, Schnee und Regen im Winter und glühender Hitze im Sommer lies nur die stärksten Männer ungebrochen. Deserteure erwartete die Todesstrafe. Ich hatte Glück und erhielt wegen meinem überdurchschnittlichen Geschick im Morsen und Telegraphieren einen Platz in der Telegraphenstation.

Sie sind 1990 mit einer Gruppe in die deutsche Botschaft geflüchtet, mussten alles zurücklassen –

 

wie schwer war das alles für Sie?


Diese Frage werde ich ausführlicher beantworten, denn dieser Schritt war der Wendepunk meines Lebens: Es war direkt nach meinem Militärdienst. Da schloss ich mich im Juli 1990 einer Protestgruppe an, die Fluchtpläne aus Albanien schmiedeten. Wir waren motiviert durch die Aufstände in Osteuropa und Berlin, die sich gegen kommunistische Regime richteten.

 

Im Juli 1990 entscheid sich unsere Gruppe mit anderen Flüchtlingen die deutsche Botschaft in Albanien zu erreichen. Das Ziel dabei war die deutsche Botschaft mit möglichst mehr als 10. 000 Leuten zu stürmen, um die westlichen Medien auf uns aufmerksam zu machen. Natürlich hat diese Anzahl an Freiheitskämpfern die deutsche Botschaft nicht erreicht, sondern nur ca. 3.000. Ich war einer der Glücklichen von ihnen.

 

Aber es war sehr schwer, denn fast eine Woche waren wir in der deutschen Botschaft isoliert und mussten dort bei ca. 40 Grad Hitze ausharren. Die meisten von uns, so wie ich auch, blieben diesen Zeitraum ohne Essen und Trinken, denn die Botschaft war natürlich nicht auf die Versorgung so vieler Menschen eingerichtet und die albanische Seite hatte alles Erdenkliche getan, um die Botschaft versorgungstechnisch von der Außenwelt abzuschneiden.

 

Die Mitarbeiter der Botschaft haben alles in ihrer Macht stehenden unternommen, um uns am Leben zu halten. Im Nachhinein möchte ich sagen, sie waren für mich die echten Helden in diesem Ausnahmezustand! Das zermürbende für uns Flüchtlinge war dabei, dass wir keine Ahnung hatten, wie lange wir diesen Zustand dort so auszuhalten hatten. Nach drei bis vier Tagen hatte man das Gefühl nicht mehr durchhalten zu können. Wir wussten nichts, saßen dort drin, ohne zu wissen, wie lange noch? Alles ungewiss! Irgendwann schaltet man innerlich etwas von sich ab oder aus und denkt sich nur noch „okay, das hier ist mein Schicksal, dann ziehe ich das jetzt durch“.

 

Es gab neben uns männlichen auch weibliche Studenten. Zusammengepfercht, wie wir alle waren, bildeten wir z.B. einen Kreis im Hof, wenn jemand auf Toilette musste, -Rücken an Rücken- zur Mitte hin. Dann stand man dort, weinend, sich schämend und hat sich erleichtert… Da kamen uns die Zweifel, ob das alles richtig war. Ich hatte einen starken Überlebenswillen, wenngleich ich mich, wie bei der Bestürmung der Bot